externer Diskussionsbeitrag: An alle „Wütenden“

Vorbemerkung: Dieser Text stammt nicht von „uns“, wir finden aber, dass er wichtige Punkte aufgreift. Daher wollen wir ihn weiter verbreiten; außerdem wird er einen Diskussionsinput für unsere nächste Diskussion am So, 19.11. (Einladung folgt) darstellen.

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Wut, Hass und vielleicht Freude sind oft die einzigen Emotionen, die
wir anderen zeigen. Alles andere wäre ja schwach und rebellische
Menschen müssen ja angeblich stark und „hoart“ sein. Doch Gefühle sind
nicht schwach! (Wenn eins das so sieht, wäre es vielleicht angebracht, unter
anderem
nochmal zum Thema Feminismus zu reflektieren.)
Trauer, Angst, „schlecht drauf sein“,… , gehören gleichermaßen zum
(widerständischen) Leben dazu, wie eben Wut oder schöne Gefühle! Auch
darüber sollte geredet werden. Aber viel zu oft saß ich auf Treffen, wo
ich bei der Hälfte der Menschen gemerkt habe, dass es ihnen psychisch nicht
gut geht, sie depressiv, überarbeitet oder sonst wie zerstört wirkten.
Dies wurde aber meist von keiner*m der Anwesenden angesprochen. Wenn
doch, dann kam sehr schnell eine Reaktion a la: „Ach lass uns doch
nicht über so ’nen Hippie-Scheiß reden, besprech‘ ma doch wichtige(re) Dinge!“
Eins muss ja nicht gleich den Gefühlszustand tanzend ausdrücken. Es
zu thematisieren finde ich jedoch unerlässlich, insbesondere, wenn eins
vor hat, langfristig widerständig zu wirken.
Reden wir nicht immer davon, wie wichtig solidarisches Verhalten und
aufeinander aufpassen ist? Sollten wir dann nicht bei den Menschen, mit
denen wir gemeinsam Sachen machen damit anfangen? Ganz ehrlich, ist es
nicht wichtig den psychischen Zustand mit rein zu nehmen? Könnte das nicht
Vertrauen, Zusammenhalt und Motivation fördern? Und sind das nicht
wichtige Elemente beim gemeinsamen Planen und Handeln?
Ein wirklich ernst gemeintes „Wie geht es dir?“ kann dafür ein guter
Anfang sein, doch einer ehrliche Antwort stehen oft einige Hindernisse im
Weg.
Einige sind es vielleicht nicht gewohnt, darüber offen zu sprechen, dann
kann dies schwer fallen. Eins kann ja mit kleinen Schritten anfangen.
Wie wäre es dabei anstatt „ja, passt eh.“ zu sagen, vielleicht mit „mir
geht es gerade nicht so gut.“ zu antworten.
Andere finden es vielleicht unangenehm, dass sich jemensch um sie sorgt und
Energie für ihr Wohlbefinden aufwendet. Wenn unser Ziel jedoch eine
Gesellschaft ist, in der es allen möglichst gut geht, sollten wir dann
nicht auch darauf schauen, dass es bei uns selber auch so ist und
Unterstützung annehmen, wenn es uns schwer fällt alleine dahin zu kommen?
Sicher gibt es noch viele weitere Gründe warum oft nicht darüber
geredet wird, wie es uns geht. Ich will jetzt gar nicht auf alles
eingehen. Sondern probieren zu ermutigen, dies vielleicht beim nächsten
Treffen anzusprechen. Egal ob es dir gerade nicht so gut geht und du es von
deiner Seite aus thematisierst oder du merkst, dass es bei wem anderen
der Fall ist und du anbietest zuzuhören. Eine andere Möglichkeit kann es
auch sein, dies erst mal auf einer Metaebene in die Gruppe einzubringen.
Ich würde es auf jeden fall cool finden, wenn in möglichst vielen Gruppen
versucht wird eine Atmosphäre zu schaffen, in welcher eins sich sicher fühlt
sich ein weinig mehr zu öffnen, sich trauen kann Gefühle anzusprechen und
endlich diese pseudo-harte Attidtüde abgelegt wird.
Denn wie gesagt, Emotionen sind nicht schwach, sondern gehören einfach zum
Leben dazu!

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